📖 Eiskalte Brandung
Wellengang: Die Folgen
Die Berührung an ihrer Hüfte brannte wie ein Blitz, und Mila zuckte zurück, als hätte sie sich verbrannt. Lennart ließ sofort los, trat einen Schritt zurück. „Entschuldigung“, murmelte er, aber seine Augen blieben auf ihren gerichtet. Mila schluckte.
Die Funken, die sie gespürt hatte, waren nicht nur metaphorisch gewesen. Sie spürte noch immer den Druck seiner Finger durch den dünnen Stoff ihres Neoprenanzugs. „Alles gut“, sagte sie, aber ihre Stimme klang heiser. Sie räusperte sich.
„Das war... professionell.“ Lennart lachte leise, ein trockenes Geräusch. „Professionell. Ja.
Das bin ich.“ Er wandte sich ab, ging zu seinem Rucksack und holte eine Wasserflasche heraus. Mila beobachtete die Muskeln in seinem Rücken, die sich unter dem Shirt spannten. Sie musste sich zwingen, wegzusehen. Der Wind wehte salzig über den Strand, und die untergehende Sonne tauchte alles in goldenes Licht.
In der Ferne hörte sie das Rauschen der Wellen, aber hier, zwischen ihnen, war es still. Mila nahm all ihren Mut zusammen. „Lennart, wir müssen reden.“ Er drehte sich um, die Wasserflasche in der Hand. „Worüber?“ Sie trat näher, aber hielt Abstand.
„Über uns. Über das, was da gerade passiert ist.“ Lennart stellte die Flasche ab. „Es ist nichts passiert. Du hast dich erschrocken, ich habe dich berührt.
Das war alles.“ Mila schüttelte den Kopf. „Das war nicht alles. Du weißt das.“ Sie sah ihm in die Augen. „Ich kann keine Beziehung gebrauchen.
Nicht jetzt. Meine Karriere steht auf dem Spiel, ich habe eine schwere Verletzung, und mein neuer Sponsor erwartet, dass ich ein perfektes Image habe. Wenn die Medien etwas über uns erfahren, bin ich abgestempelt.“ Lennart schwieg einen Moment. „Ich verstehe“, sagte er schließlich.
„Du willst, dass wir nur Trainer und Athletin sind.“ Mila nickte, aber ihr Herz schlug schneller. „Ja. Das ist das Beste.“ Lennart trat einen Schritt näher, und sie spürte seine Nähe wie eine physische Kraft. „Und wenn ich das nicht kann?“ Seine Stimme war leise, aber intensiv.
Mila schluckte. „Dann muss ich mir einen anderen Trainer suchen.“ Sie sah den Schmerz in seinen Augen, aber sie wusste, dass sie stark bleiben musste. Lennart atmete tief durch. „Okay.
Dann machen wir es professionell. Keine Berührungen außerhalb der Übungen, keine privaten Gespräche. Nur Training.“ Er streckte die Hand aus. „Abgemacht?“ Mila zögerte, dann ergriff sie seine Hand.
Sein Händedruck war fest, aber er ließ sofort los. „Abgemacht.“ Sie spürte eine seltsame Leere, als er ihre Hand losließ. Aber sie wusste, dass es richtig war. In diesem Moment summte ihr Handy.
Sie sah auf das Display: eine Nachricht von ihrem Sponsor. „Perfekt“, murmelte sie. Lennart hob eine Augenbraue. „Probleme?“ Mila seufzte.
„Sie wollen, dass ich morgen ein Instagram-Live mache, um den Sieg zu feiern. Und ich soll ein Foto mit meinem Trainer posten.“ Lennart grinste schief. „Na, dann lächle schön.“ Mila verdrehte die Augen. „Das ist nicht lustig.
Sie wollen, dass ich ein perfektes Leben zeige, aber ich kann nicht einmal meine Schulter bewegen, ohne Schmerzen zu spüren.“ Sie massierte ihre rechte Schulter, die nach dem Training wieder zu pochen begann. Lennart wurde sofort ernst. „Wie fühlt sie sich an?“ Mila zuckte mit den Schultern, was sie bereute. „Wie ein Messer, das sich dreht.“ Lennart trat näher, aber dann hielt er inne.
„Wir sollten die Übungen anpassen. Und du brauchst mehr Ruhe.“ Mila nickte. „Ich weiß. Aber ich kann nicht aufhören.
Nicht jetzt.“ Sie sah zum Horizont, wo die Sonne langsam im Meer versank. „Ich muss es allen beweisen.“ Lennart folgte ihrem Blick. „Wem?“ Mila schwieg einen Moment. „Mir selbst.“ Sie standen schweigend nebeneinander, während die Wellen an den Strand rollten.
Mila spürte, wie die Anspannung langsam wich. Es war seltsam, aber trotz der professionellen Distanz fühlte sie sich sicherer, wenn er in der Nähe war. „Danke“, sagte sie leise. Lennart sah sie an.
„Wofür?“ „Dass du das verstehst. Dass du nicht drängst.“ Er lächelte, aber es war ein trauriges Lächeln. „Ich kenne das. Den Druck, immer perfekt sein zu müssen.
Ich habe selbst genug davon erlebt.“ Mila erinnerte sich an die Dopinganklage, von der er freigesprochen worden war. Sie wollte fragen, aber sie wusste, dass es nicht ihre Sache war. Stattdessen sagte sie: „Wir schaffen das. Wir können professionell sein.“ Lennart nickte.
„Ja. Wir werden es sein.“ Er sah auf seine Uhr. „Es wird spät. Wir sollten zurück zur Pension.“ Mila folgte ihm, aber als sie sich umdrehte, sah sie, wie er kurz innehielt und zum Meer blickte.
Sie fragte sich, was er dachte. In der Pension angekommen, verabschiedeten sie sich an der Tür zu ihren Zimmern. „Gute Nacht, Mila“, sagte Lennart. „Gute Nacht, Lennart.“ Sie wollte ihre Tür öffnen, aber dann drehte sie sich noch einmal um.
„Lennart?“ Er blieb stehen. „Ja?“ „Ich bin froh, dass du mein Trainer bist.“ Er lächelte. „Ich auch.“ Dann verschwand er in seinem Zimmer. Mila lehnte sich gegen ihre Tür und schloss die Augen.
Sie hatte das Gefühl, einen Sieg errungen zu haben, aber auch etwas verloren zu haben. Sie wusste nicht, was schwerer wog. Am nächsten Morgen wachte Mila mit einem steifen Nacken auf. Sie griff nach ihrem Handy und öffnete Instagram.
Ihr Feed war voller Glückwünsche, aber dann sah sie ein Video, das Kjell gepostet hatte. Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Kjell postet ein Video, in dem er andeutet, dass Mila nur durch Lennarts Beziehungen zum Sieg gekommen sei, und die Medien greifen es auf.






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