📖 Eiskalte Brandung
Der Sturz: Der Gegenschlag
Der Zug nach Sankt Peter-Ording ratterte über die Gleise, und Mila starrte auf die vorbeiziehenden Felder. Lennart saß ihr gegenüber, die Beine ausgestreckt, ein Notizbuch auf den Knien. Er hatte den Trainingsplan für die Woche skizziert, mit Übungen, die ihre Schulter schonen sollten. Mila spürte den Schmerz in ihrer rechten Schulter, ein dumpfes Pochen, das sie an ihre Grenzen erinnerte.
Doch sie hatte sich entschieden: Sie würde kämpfen. Als der Zug in den Bahnhof einlief, packte sie ihre Tasche. „Bist du bereit?“, fragte Lennart. Mila nickte.
„Ich muss es sein.“ Sie stiegen aus, und die salzige Luft der Nordsee schlug ihnen entgegen. Die Pension lag direkt am Deich, ein weißes Haus mit blauen Fensterläden. Die Vermieterin begrüßte sie herzlich, und Mila ließ sich aufs Bett fallen. Morgen würde das Training beginnen.
Am nächsten Morgen stand Mila um sechs Uhr auf. Der Strand war noch leer, die Wellen rollten gleichmäßig an. Lennart hatte einen Parcours aus Hütchen aufgebaut, um ihre Beweglichkeit zu testen. „Wir fangen langsam an“, sagte er.
„Deine Schulter muss sich erst an die Belastung gewöhnen.“ Mila machte Übungen mit dem Theraband, dann leichte Schwimmbewegungen im flachen Wasser. Sie spürte den Widerstand, aber auch die Kraft, die langsam zurückkehrte. Am Nachmittag zeigte Lennart ihr Techniken, um den Arm zu schonen, während sie auf dem Brett lag. „Du musst die Rotation aus der Hüfte holen, nicht aus der Schulter“, erklärte er.
Mila konzentrierte sich, aber der Schmerz war immer präsent. Sie biss die Zähne zusammen. Plötzlich vibrierte ihr Handy. Eine Nachricht von Kjell: „Ich habe gehört, du willst in SPO starten.
Viel Glück, du wirst es brauchen.“ Mila spürte Wut in sich aufsteigen. Sie meldete sich heimlich über einen alten Kontakt für den Wettkampf an, einen Surfshop-Besitzer, der ihr vertraute. Doch am Abend erfuhr sie, dass Kjell ebenfalls teilnehmen würde. Er hatte es öffentlich angekündigt, um sie zu demütigen.
Die Stimmung war angespannt, als sie am Lagerfeuer saßen. Die Flammen tanzten, und Mila starrte ins Feuer. Lennart saß neben ihr, die Schultern entspannt. „Du machst das gut“, sagte er.
„Trotz allem.“ Mila lächelte schwach. „Ich habe keine Wahl.“ Sie schwiegen eine Weile. Dann holte Lennart tief Luft. „Mila, es gibt etwas, das ich dir sagen muss.“ Sie sah ihn an, sein Gesicht war ernst.
„Ich habe deinen Vater an dem Tag gesehen, als der Unfall passierte.“ Mila erstarrte. „Was?“, flüsterte sie. Lennart fuhr fort: „Ich war am Strand, ich habe die Welle gesehen. Ich habe ihn gewarnt, aber er hat nicht gehört.“ Milas Herz schlug schnell.
Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Doch bevor sie antworten konnte, klingelte ihr Handy. Eine Nachricht von einem lokalen Unternehmen: Sie wollten sie sponsern. „Wir glauben an deine Geschichte“, stand da.
Mila spürte einen Hoffnungsschimmer. Sie sah Lennart an, aber das Geheimnis hing zwischen ihnen. Die Nacht war kalt, und Mila zog ihre Jacke enger. Lennart stand auf, um das Feuer zu schüren.
Mila sah ihm zu, ihre Gedanken wirbelten. Sie wollte ihn fragen, warum er nie davon erzählt hatte. Doch dann drehte er sich um, und seine Augen trafen ihre. Beim abendlichen Lagerfeuer gesteht Lennart, dass er Milas Vater an dem Tag des Unfalls gesehen hat, und Mila erstarrt.






💬 Reader Comments
Comments are coming soon. Join the discussion about Eiskalte Brandung!