📖 Eiskalte Brandung
Der Sturz: Der neue Plan
Mila starrte Lennart an, als hätte er sie persönlich beleidigt. Sie stand auf, so schnell es ihre verletzte Schulter zuließ, und stellte sich ihm entgegen. „Du bist der letzte Mensch, mit dem ich arbeiten würde“, zischte sie. Lennart blieb ruhig, sein Blick war fest auf sie gerichtet.
„Das ist dein gutes Recht. Aber ich bin der Beste, und du weißt das.“ Mila lachte bitter. „Der Beste? Du bist ein gescheiterter Surfer, der wegen Dopings gesperrt wurde.
Warum sollte ich dir vertrauen?“ Lennart seufzte. „Ich wurde entlastet, das weißt du. Und deine Schulter braucht einen Spezialisten. Ich bin der einzige, der sofort verfügbar ist.“ Mila verschränkte die Arme, was ihr einen stechenden Schmerz einbrachte.
Sie verzog das Gesicht, ließ aber nicht locker. „Ich werde meinen Manager anrufen. Es muss jemand anderen geben.“ Mila griff nach ihrem Handy, doch Lennart hielt sie zurück. „Dein Manager hat mir bereits zugesagt.
Es gibt niemand anderen, der für deine Verletzung qualifiziert ist. Du kannst es dir nicht leisten, wählerisch zu sein.“ Mila riss sich los. „Ich kann mir nicht leisten, mit einem Betrüger zu arbeiten.“ Lennart trat einen Schritt näher. „Ich wurde nie verurteilt.
Die Anklage wurde fallen gelassen. Und wenn du mich nicht als Therapeuten willst, dann geh. Aber du wirst nirgendwo anders einen finden, der deine Rotatorenmanschette so schnell wieder aufbaut.“ Mila spürte, wie ihre Wut mit der Angst um ihre Karriere kämpfte. Sie atmete tief durch.
„Also gut. Eine Probesitzung. Aber wenn du auch nur einen Fehler machst, bin ich weg.“ Lennart nickte. „Das ist fair.“ Er führte sie in den Therapieraum, der mit Geräten und einer Liege ausgestattet war.
„Zieh dein Oberteil aus, ich muss deine Schulter untersuchen.“ Mila zögerte, dann streifte sie das Shirt ab, wobei sie schmerzhaft aufstöhnte. Lennart trat hinter sie und legte vorsichtig seine Hände auf ihre Schulter. Seine Berührung war warm und fest, aber Mila zuckte zurück. „Autsch!“ Lennart ließ sofort los.
„Entschuldigung. Ich muss die Beweglichkeit testen.“ Er begann, ihre Schulter sanft zu drehen, während Mila die Zähne zusammenbiss. „Du hast eine schwere Rotatorenmanschettenruptur. Die Operation ist unvermeidlich, aber danach brauchst du ein intensives Reha-Programm.
Wenn du hart arbeitest, kannst du in sechs Monaten wieder surfen.“ Mila sah ihn misstrauisch an. „Und du glaubst, du kannst mich dahin bringen?“ Lennart sah ihr in die Augen. „Ich weiß es. Ich habe schon schlimmere Fälle gehabt.
Aber du musst mir vertrauen.“ Mila lachte. „Das wird nie passieren.“ Lennart ließ ihre Schulter los und trat einen Schritt zurück. „Du musst mir nicht vertrauen. Du musst nur tun, was ich sage.“ Er ging zu einem Schreibtisch und holte einen Ordner hervor.
„Hier ist dein Reha-Plan. Er ist auf deine Verletzung und deine Ziele zugeschnitten. Wenn du dich daran hältst, wirst du in sechs Monaten wieder auf dem Brett stehen.“ Mila blätterte die Seiten durch. Sie war beeindruckt von der Detailgenauigkeit – jede Übung war mit Bildern und Zeitangaben versehen.
„Das ist... umfassend“, gab sie zu. Lennart lächelte leicht. „Ich nehme meine Arbeit ernst.
Und ich weiß, wie wichtig dir deine Karriere ist. Ich war selbst Profi, ich kenne den Druck.“ Mila sah ihn an. „Warum tust du das? Nach allem, was passiert ist?“ Lennart zögerte.
„Weil ich weiß, wie es ist, wenn einem alles genommen wird. Und weil ich glaube, dass du es verdienst, zurückzukommen.“ Mila spürte einen Stich in der Brust, aber sie ließ es sich nicht anmerken. „Na gut. Ich werde deinen Plan befolgen.
Aber ich werde dich beobachten.“ Lennart nickte. „Das erwarte ich.“ Er reichte ihr eine Visitenkarte. „Hier ist meine Nummer. Ruf mich an, wenn du Fragen hast.“ Mila nahm die Karte und steckte sie in ihre Tasche.
Sie wollte gerade gehen, als Lennart sagte: „Ich habe früher oft auf Sylt gesurft. Die Wellen hier sind etwas Besonderes.“ Mila blieb stehen. „Ja, das sind sie.“ Sie drehte sich um und verließ den Raum, aber seine Worte hallten in ihr nach. Warum hatte er das erwähnt?
Mila ging den Flur entlang, ihre Gedanken kreisten um Lennarts Worte. Sie hatte das Gefühl, dass er mehr wusste, als er zugab. Aber sie konnte nicht sagen, warum. Beim Verlassen des Zimmers sagt Lennart beiläufig, er habe früher oft auf Sylt gesurft, und Mila fragt sich, ob er ihren Vater kannte.






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